• sandra kramer-kowalzik

Kontemplation auf die Selbstorganisation – Selbstversuch in einem Startup

Aktualisiert: 21. Aug 2019


Ein Kreis schließt sich:

Kontemplation auf die Selbstorganisation – Selbstversuch in einem Startup


Ich sitze gerade hier auf Sri Lanka und denke daran, dass ich im November 2017 an derselben Stelle saß und mich voller Freude entschieden habe, bei starwings, einem selbstorganisierten Startup mit einem Produkt für dynamische Anteilsverteilung auf open-BlockchainBasis, voll einzusteigen.

Jetzt, April 2019, sitze ich wieder hier und überlege, warum es starwings so nicht mehr gibt und was ich aus der Zeit gelernt und mitgenommen habe.

Die Voraussetzungen waren alle da:


Check 1: WHY /Purpose

Eine tolle, nachhaltige Vision, das „WHY“, also der Sinn, warum es starwings gibt, ganz klar formuliert und das, was die Menschen bei starwings zusammengebracht hat. Eine unglaubliche Anziehungskraft. Vitus, der Gründer und die Seele von starwings, hat mit dem „WHY“ viele Menschen versammeln können. Wir hatten ein wunderbar formuliertes Manifesto, bei dem das, was wir machen und wie wir es machen klar formuliert war. Es wurde von uns allen unterschrieben.


Check 2: Gemeinsame Values

Die gemeinsamen Werte haben wir in einem innovativen Prozess in einem 3h-Workshop herausdestillieren können – sie waren passend, kamen aus dem Herz und Seele der Einzelnen und haben starwings als Ganzes gut beschrieben. Sehr treffend und verbindend


Check 3: moderne Organisationsform -

a) Selbstorganisation

b) Transparente Gehälter und dynamische Anteilsverteilung



Wenn viele Rahmenbedingungen gestimmt haben – warum ist es trotzdem gescheitert?


1. Der Rahmen hat gefehlt – Selbstorganisation braucht einen guten Rahmen bzw. Leitplanken

o Es gab keinen vorgegebenen Rahmen, jeder hat sich nach seiner Energie einbringen können – alles war möglich – aber dadurch auch nichts....

o Es braucht aus meiner Sicht – zumindest am Anfang – ein kleines Strategie-Team, welches die Zielrichtung vorgibt und am Steuer sitzt,

o Einen stabilen Anker, z. B. festes Produkt, festes Kernteam, physischer Ort


2. Zu wenig Menschen, die sich 100% engagieren konnten - das ist für ein Startup zu wenig

o von Anfang an in einem losen Netzwerk mit unterschiedlichen Graden an Engagement dabei – sehr schwierig; es wurde viel Zeit in Kommunikation (Abholen der Einzelnen, Entscheidungsfindung, etc.) gesteckt

o Um ein Startup aufzubauen, braucht es zu 100% dedizierte Menschen, die an der Idee, am Produkt und an der Organisation arbeiten


3. Gehaltsfindung – ein heikles Thema

o Ich war ein großer Verfechter transparenter Gehälter und transparenter Gehaltsfindung, - jetzt würde ich das situationsabhängig anders machen

o Wir haben – aus Rücksicht auf unterschiedliche Empfindlichkeiten – einen Weg gesucht, der alle möglichen Faktoren in Betracht zieht und in Erwägung zieht; wir hatten ein gewähltes Gehaltskommittee; jeder durfte selbst bestimmen, wo er sein Gehalt sieht; das Gehaltskommittee hat dann ein Bild der Gruppe auf einen Einkommensstrahl gelegt... und das ungute Gefühl ging los, bei denen, die ganz unten waren.. und denen die höher waren. Was ist gerechtfertigt? Was ist gerecht? Geht das überhaupt?

o Wir hatten alle möglichen Modelle diskutiert: einheitliches Gehalt für alle – unabhängig von Erfahrung

o Sobald ich aber die Verknüpfung mache von Erfahrung, Beitrag geht das ganz schnell ans persönliche: warum bin ich „nur“ so wenig wert? Liegt das an mir als Person? Und Schwups... Ab diesem Zeitpunkt war die Motivation unseres (sehr jungen) Entwickler-Teams unten durch. Ich glaube, sie fühlten sich – in ihrer besonderen Kompetenz - nicht wertgeschätzt.

o Transparente Gehaltsfindung kann aus meiner Sicht nur funktionieren, wenn alle dasselbe verdienen. Das ist natürlich einfach, wenn der Erfahrungshintergrund derselbe ist. Sobald unterschiedliche Erfahrungen, Skills, etc. mit reinspielen, fängt die so gut angedachte „gerechte“ Verteilung schnell an, als ungerecht empfunden zu werden. Welche Erfahrung zählt? Ist Berufserfahrung wichtiger als Entwicklererfahrung? Was ist wirklich wichtig?


4. Ein tragfähiges Geschäftsmodell

Unser Geschäftsmodell war wegen mehrerer Produkte vielschichtig hat sich in den 1,5 Jahren immer wieder verändert – auch aufgrund von Regulierungen. Die Vision, die wir selbst bei starwings eingesetzt haben, um unsere Anteile dynamisch anzupassen, funktionierte prima. Wir hatten auch viele Interessenten bei Startups und VCs gefunden. Die Problematik lag und liegt hier momentan noch im aktuellen Steuerrecht, das mit dynamischer Anteilsverteilung nichts anfangen kann....


Was nehme ich mit:

1. Wertvolle Selbst-Erfahrung, wie Selbstorganisation funktionieren kann und wie nicht

2. Das Erleben, wie weit eine gute Vision, ein toller Purpose und ein visionärer Gründer eine Gruppe motivieren und ziehen kann – und wo die Limits sind

3. Eine innovative Methode, nachhaltige Unternehmenswerte sehr individuell, persönlich und in kurzer Zeit zu erstellen

4. Gehaltsfindung braucht eine besondere Achtsamkeit

5. Und natürlich tolle Menschen, die ich kennenlernen durfte.



Ich danke allen, die in dieser Zeit mit dabei waren.


Wenn du dich für das Thema Selbstorganisation interessiert und mehr darüber erfahren willst, wie es bei dir funktionieren kann, dann melde dich.

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